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Altes Englisch se: von demonstrativ zu Artikel

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Altes Englisch se: von demonstrativ zu Artikel

Von Lotte Sommerer

Doktorarbeit, Universität Wien, 2011

Abstract: Die vorliegende Arbeit trägt zur laufenden Debatte über die Existenz eines bestimmten Artikels im Altenglischen bei und diskutiert Muster der nominalen Bestimmung im Altenglischen und deren Einfluss auf das Phänomen der Entstehung der Kategorie „Artikel“. Insbesondere wird eine nutzungsbasierte Studie des altenglischen demonstrativen Se (seo - þæt) und seiner Entwicklung zum bestimmten Artikel durchgeführt. Theoretisch ist diese Studie eingebettet in eine breitere Diskussion über Sprachgradienten, diachrone Gradualität, Grammatikalisierung und Reanalyse. Empirisch basiert es auf einer umfassenden quantitativen und qualitativen Analyse bestimmter NP-Muster in mehreren frühen altenglischen Prosatexten im Parsed Corpus of Old English Prose (YCOE) von York-Toronto-Helsinki. Für die Analyse wurden das CorpusSearch-Programm und AntConc verwendet.

Um die kausalen Mechanismen hinter dem gegebenen beobachtbaren sprachlichen Wandel zu beleuchten - von einer Grammatik ohne bestimmten Artikel zu einer Grammatik, die diese Funktionskategorie verwendet -, wird in dieser Studie ein mögliches WANN und WARUM erarbeitet. Ein zentrales Ziel in diesem Zusammenhang war es, klare, überprüfbare Kriterien für die „Artikelhaftigkeit“ festzulegen und zu prüfen, ob diese Kriterien erfolgreich auf eine ältere Sprachstufe angewendet werden können. Es wird gezeigt, dass die Abgrenzung der Kategorie „Artikel“ von anderen Kategorien wie der „Demonstration“ keine einfache Aufgabe ist. Um die Frage zu beantworten, ob der Artikel bereits im Altenglischen existiert, wird das semantische und syntaktische Verhalten des Demonstrativpronomen gründlich untersucht, indem ein großer Datensatz mit besonderem Schwerpunkt auf der Peterborough- und Parker-Chronik analysiert wird.

Es wird argumentiert, dass sich die Artikelkategorie aufgrund der vorherigen Entstehung eines positionellen, syntaktischen, lexikalisch unterbestimmten „Bestimmungsschlitzes“ entwickelt hat, der selbst funktionsfähig wird. Daher wird vorgeschlagen, dass der Wechsel von einem demonstrativen zu einem bestimmten Artikel eine Änderung ist, die von einer „lexikalisch unterbestimmten [syntaktischen] Konstruktion“ (van de Velde 2010: 291) getrieben wird - mit anderen Worten, der Grammatikalisierung einer schematischen Konstruktion mit einem Schlitz ( Trousdale & Traugott 2010: 12; vgl. De Smet 2008; Bybee 2003a, b 2007; Traugott 2006). Die vorgelegten empirischen Beweise legen nahe, dass dieser Bestimmungsschlitz bereits im frühen Altenglischen existierte.

Die Entwicklung des bestimmten Artikels wird nicht nur von semantisch-pragmatischen Faktoren beeinflusst, sondern auch als sogenannter „formgetriebener Wandel“ (Fischer 2007: 66) konzipiert, bei dem es sich hauptsächlich um formale „systeminterne“ Faktoren handelt (z. B. strukturelle Vereinfachung als ein Prinzip der Ökonomie) sind für die Grammatikalisierung des Demonstrativen verantwortlich (vgl. Hawkins 2004). Es wird gezeigt, dass die Grammatikalisierung der schematischen Konstruktion hauptsächlich durch analoges Denken (formale Mustererkennung und -übertragung) ausgelöst wurde (vgl. Fischer 2007; De Smet 2010). Grammatikalisierung wird als epiphänomenales Ergebnis und als Begriff angesehen, der „in grundlegendere Mechanismen […] einschließlich (unter anderem) Analogie“ aufgeteilt werden sollte (De Smet 2009: 1730). Analogie wird als „psychologisch reales Phänomen, das sowohl in der Sprache als auch in der Kultur kausale Effizienz hat“ behandelt und ist nicht einfach ein „beschreibendes Mittel“ (Itkonen 2005: xii). Analogie wird daher im weiteren Sinne als „Regelverallgemeinerung / -erweiterung“ auf einer höheren metasprachlichen Ebene konzipiert (Traugott & Trousdale 2010: 36; Fischer 2007).

Obwohl die Entwicklung der Artikelkategorie definitiv ein multikausales Phänomen ist, legt diese Studie nahe, dass komplexe Analogie- und Frequenzeffekte die Hauptantriebskräfte für den beobachtbaren sprachlichen Wandel sind (Fischer 2007: 4). Die Häufigkeit sprachlicher Oberflächenformen (d. H. Konkreter Token), der Einfluss taxonomisch verwandter Konstruktionen und Präferenzen bei der kognitiven Online-Verarbeitung werden insbesondere als Gründe für die diachrone Entwicklung angesehen.


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