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Von der Hölle zum Weg zum Himmel: Auswirkungen der Erfindung des Fegefeuers auf die Mentalitäten des Mittelalters

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Von der Hölle zum Weg zum Himmel: Auswirkungen der Erfindung des Fegefeuers auf die Mentalitäten des Mittelalters

Von Outi Nieminen

Horizonte erweitern: Reisen und Ideenaustausch im Wandel der Zeit, Journal der XIII. ISHA-Jahreskonferenz (Nijmegen, 2002)

Einleitung: Wann immer das Mittelalter betrachtet wird, muss man bedenken, dass die Gesellschaft anders war. Dinge, die für uns offensichtlich sind, sind im Mittelalter nicht offensichtlich. Das gesamte Konzept der menschlichen Gesellschaft muss überdacht werden.

Im Mittelalter war Gott das Zentrum. Die Welt wurde von Gott erschaffen, sie war Teil von Gottes Besitz, die Zwecke ihrer Existenz waren nur auf Gott gerichtet. Gott und Religion waren keine Glaubensfragen, sie waren Tatsachen. Die menschlichen Mentalitäten wurden auf der Idee von Gottes Charakter aufgebaut. Was hier auf der Erde war, war nicht wichtig, wenn man es mit dem Himmel verglich, und so war das Leben der Menschen auf die Zeit nach dem Tod ausgerichtet.

Dies bedeutet, dass der Tod nicht für Menschen mittleren Alters entfernt war, sondern etwas, das ständig präsent war (auch die kurze Vorhersage des Lebens machte den Tod im Alltag präsent). Nach dem kurzen Leben auf Erden kam die viel wichtigere Ewigkeit.

Die Lehre der Kirche war klar. Diejenigen, die ihr Leben nach den Regeln von Gott und der Kirche lebten, landeten für die Ewigkeit im Himmel, und diejenigen, die sündigten, wurden für die Ewigkeit in die Hölle gebracht. Nach dem Tod warteten also zwei Türen, und danach waren alle Entscheidungen getroffen worden, kein Zurück, keine zweiten Änderungen, nur die Ewigkeit. Gott gab dem Menschen die Wahlfreiheit, aber er bestrafte den Menschen auch für falsche Entscheidungen, indem er ihn in die Hölle warf. Der Tod wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, zu gut und zu schlecht.

Seit den ersten Jahrhunderten bestand die Hoffnung, dass Gebete und Opfergaben der Toten den Toten in ihrer Qual helfen oder sie zumindest in eine leichtere Schicht der Hölle bringen würden. Auch die Buße (katumusharjoitus) befreite den Menschen von seinen Sünden, aber sie nahm die Angst vor dem Jüngsten Gericht nicht weg. Der Glaube an die Erlösung (Lunastus) war vage und nicht vertrauenswürdig. Die Lehre von Sünden, Erlösung und Leben nach dem Tod hatte noch nicht ihre Form angenommen.


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