Artikel

Warum das römische Recht in England nicht erfolgreich war

Warum das römische Recht in England nicht erfolgreich war



We are searching data for your request:

Forums and discussions:
Manuals and reference books:
Data from registers:
Wait the end of the search in all databases.
Upon completion, a link will appear to access the found materials.

Warum das römische Recht in England nicht erfolgreich war

Von Bernard W. Hoeter

Der Scrivener, Band 13, Nummer 1 (2004)

Einleitung: England ist das einzige europäische Land, dessen Rechtssystem nicht auf dem Kodex von Kaiser Justinian I. basiert Corpus Juris Civilis, die großartige Kodifizierung des alten römischen Rechts (532 n. Chr.). Und während das römische Recht im 13. Jahrhundert erfolgreich in die Rechtssysteme Kontinentaleuropas, Deutschlands und Frankreichs eindrang, hat England das römische Recht nie übernommen. Sie entwickelte ihr eigenes Rechtssystem, das Common Law.

Warum? Es ist einfach zu behaupten, dass der Kanal England von den großen rechtlichen Veränderungen auf dem Kontinent im 11. und 12. Jahrhundert ausgeschlossen hat.

England hatte enge kulturelle Beziehungen zum Kontinent und insbesondere zu Frankreich. Cantor erklärt: "England wurde als intellektueller Satellit Frankreichs angesehen." Und Fisher: "Die normannische Eroberung hatte England zu einer Provinz der französischen Zivilisation gemacht."

Justinians Corpus Juris Civilis war zu dieser Zeit in England bekannt. Wissenschaftler der norditalienischen Universitäten lehrten in England. Die königlichen Verwalter der Regierungszeit Heinrichs I. (1100–1135) wurden in Frankreich oder Italien ausgebildet. Die Richter während der Regierungszeit Heinrichs II. (König von England 1154–1189) waren normalerweise Kirchenmänner, die mit romanisch-kanonischen Verfahren und Prinzipien vertraut waren.

Anglonormannische Herrscher hatten eigentlich kein Interesse daran, germanische Rechtstraditionen zu bewahren, die gegen eine starke Zentralregierung waren, sondern auf der Macht der Gemeinschaft beruhten. Der im Justinianischen Kodex verankerte Rechtsabsolutismus und Zentralismus hätte sich tatsächlich besser an die Politik der angevinischen (Plantagenet) Könige von England angepasst als das traditionelle germanische Rechtssystem. Heinrich II. Bevorzugte - wie seine Zeitgenossen Kaiser Barbarossa von Deutschland und die kapetischen Monarchen von Frankreich - die zentrale Autorität. So könnte Heinrich II. England logischerweise das neue Zivilgesetz auferlegt haben.


Schau das Video: 06. Römisches Recht III 1 - Zeiten, Quellen, Zitationen Teil 1 (August 2022).