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Altes Licht auf neue Medien: Mittelalterliche Praktiken im digitalen Zeitalter

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Altes Licht auf neue Medien: Mittelalterliche Praktiken im digitalen Zeitalter

Lucie Dolezalova

Digitale Philologie: A Journal of Medieval Cultures 2: 1 (2013): 16-34.

Abstrakt

Dieser Aufsatz bietet einen Einblick in die Art und Weise, wie digitale Ausgaben mittelalterlicher Texte verwendet werden können, um das mittelalterliche Leseerlebnis nachzubilden. Das Bewusstsein für die charakteristischen Merkmale der mittelalterlichen Textualität, beispielhaft dargestellt durch ausgewählte spätmittelalterliche Texte, kann dazu beitragen, immer flexiblere redaktionelle Modelle zu entwickeln, die den mittelalterlichen Lesepraktiken besser entsprechen als die aktuellen Ausgaben. Ausgaben, die von einzelnen Textereignissen in fließende, gemeinschaftliche und sich entfaltende Prozesse umgewandelt werden, können einen komplexen Begriff der mittelalterlichen Hypertextualität aufdecken, indem sie Texte, Bilder und Melodien verknüpfen. Sie können dann sogar den Empfang eines bestimmten Textes verfolgen. Da die Leser die Möglichkeit haben, bestimmte Textkomponenten, Manuskriptzeugen, Familien und gedruckte Ausgaben zu vergrößern und zu verkleinern, können digitale Ausgaben einzelne Zeugen neben redaktionellen Apparaten präsentieren und so die Lücke zwischen der alten und der neuen Philologie schließen.

Mittelalterliche Texte überleben oft fragmentarisch und verwirrend. Dem modernen Gelehrten steht nur ein Bruchteil der ursprünglichen Textnachweise zur Verfügung. Mittelalterliche Werke, die in Analysen als Endergebnis einer einzigartigen Autorenabsicht erscheinen, sind in Wirklichkeit nur schwer fassbare Phantome. Texte, die von modernen Textkritikern als gleich angesehen werden, werden in Manuskripten aufbewahrt, die sich erheblich voneinander unterscheiden: Ganze Teile können zu einem bestimmten Manuskript hinzugefügt oder weggelassen werden, und Variationen treten nicht nur in der Formulierung, sondern auch in der Länge oder im Format auf (wie Schriftrollen / Codices oder das Vorhandensein interlinearer und marginaler Kommentare). Illustrationen und Noten sind oft ein wesentlicher Bestandteil eines bestimmten Textes. Manchmal sind in Manuskripten klare Verweise auf Bildelemente oder Diagramme erhalten, obwohl solche Elemente den Text in denselben Manuskripten möglicherweise nicht mehr begleiten.


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