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Beschneiden der Bauern: Privater Krieg und Wahrung des Friedens der Herren im spätmittelalterlichen Deutschland

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Beschneiden der Bauern: Privater Krieg und Wahrung des Friedens der Herren im spätmittelalterlichen Deutschland

Von Gadi Algazi

Mittelalterliche Transformationen: Texte, Macht und Geschenke im Kontext, eds. Esther Cohen und Mayke de Jong (Leiden: Brill, 2000)

Einleitung: Um 1450 schrieb der Schweizer Kanon von Zürich, Felix Hemmerli (ca. 1388-1458 / 9), eine lateinische Abhandlung, De nobilitate et rusticitate dialogus, konstruiert als Streit zwischen einem rustikalen und einem edlen Protagonisten. In Kapitel 32 erreicht die Diskussion einen Höhepunkt, als der Rustikale Adlige beschuldigt, sich auf endlose Fehden einzulassen und das Land zu zerstören. Als Antwort darauf entwickelt der edle Protagonist ein ausführliches Argument für die soziale Nutzung privater Kriege. Wie ein äußerst verzweigter Baum, dessen üppige Zweige und Zweige abgehackt werden müssen, damit er fruchtbar bleibt, müssen die Bauern gelegentlich beschnitten werden, damit sie auf ihre Arroganz, ihren tödlichen Hass und ihre Hinterlist verzichten und in die Disziplin der Demut, Unterwürfigkeit und des Selbst zurückgebracht werden -Anerkennung. Sie sollten von ihren Federn befreit werden, damit sie nicht zu hoch fliegen können. Wie Gregor der Große sagte, kann weltlicher Wohlstand für bestimmte Menschen schädlich sein. Ohne Bedrängnis wären die Gottlosen umso mehr von der Errettung entfernt. Die rustikale Natur der Bauern erfordert jedoch ein besonders hartes und angemessenes Mittel. Daher sollten jedes Jahr zum Jubiläum ihre kleinen Häuser, Hütten und Felder geplündert, zerstört und niedergebrannt werden.

Diese Passage ist seit dem neunzehnten Jahrhundert bekannt. Historiker tendierten jedoch dazu, es entweder als ungewöhnlichen Ausdruck ungezügelten Hasses auf Bauern oder als eine Äußerung eines Autors zu behandeln, dessen Latein reich an ausgefeilten Metaphern und verworrenen Umschreibungen ist, aber nicht allzu ernst genommen werden kann. Ich glaube nicht, dass dies der Fall ist. Wie ich zu zeigen versuchen werde, bezieht sich Hemmerlis Argumentation schräg auf eine erkennbare soziale Praxis (Abschnitt II) und ist eingebettet in eine weit verbreitete Art des Aufbaus einer spätmittelalterlichen Gesellschaft (Abschnitt III). Zunächst möchte ich jedoch die grundlegende Agrarmetapher des Beschneidens genauer untersuchen, die Hemmerli verwendet, um die notwendige und legitime Gewalt gegen Bauern darzustellen (Abschnitt I). Die Bandbreite an Metaphern und Bildern, die eine Kultur den Menschen zur Verfügung stellt, ist nicht unbegrenzt. Politische Metaphern, die zur Kodierung von Macht- und Autoritätsverhältnissen verwendet werden, bilden eine noch engere Auswahl an Optionen. Die Untersuchung dieser Metapher könnte daher einen geeigneten Ausgangspunkt für die Rekonstruktion der Art und Weise darstellen, wie die Gewalt der Herren gegen die Bauern im spätmittelalterlichen Deutschland wahrgenommen werden könnte.


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