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Begrüßungs- und Abschiedsrituale: Überlegungen zu einem Besuch am Königlichen Hof von Norwegen im Jahr 1302

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Begrüßungs- und Abschiedsrituale: Überlegungen zu einem Besuch am Königlichen Hof von Norwegen im Jahr 1302

Von Thomas Småberg

Collegium Medievale, Band 25 (2012)

Abstract: In diesem Artikel wird argumentiert, dass durch genaues Lesen von Passagen zu rituellen Anlässen in mittelalterlichen Chroniken Einblicke in die Konstruktion und Kommunikation von Macht gewonnen werden können. Die Fallstudie betrifft bestimmte Rituale, die in beschrieben sind Erikskrönikan (das Chronik von Herzog Erik), eine schwedische gereimte Chronik aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Ein Bericht über Empfangs- und Abschiedsrituale am königlichen Hof von Norwegen im Jahr 1302 wird detailliert beschrieben und anhand von Ritualstudien analysiert. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung von Akteuren und Handlungen. Die Rituale spielen eine wichtige Rolle bei der Konstruktion von Idealen in einer Zeit, in der im mittelalterlichen Schweden nach und nach die höfische und ritterliche Kultur eingeführt wurde. Dieser Artikel zeigt, dass es durch rituelle Analyse möglich ist, Einblicke in die Konstruktion, Legitimierung und Wahrnehmung von Macht und Autorität in der skandinavischen Gesellschaft zu gewinnen und deren Wahrnehmung zu nuancieren.

Formalisierte und institutionalisierte persönliche Bindungen wie Freundschaft und Kundenbeziehungen waren im mittelalterlichen Europa wichtig. Diese Anleihen waren von Natur aus öffentlich, sowohl als sie geschaffen wurden, als sie aufrechterhalten wurden, als auch als sie beendet wurden. Diese Sichtbarkeit garantierte ihre Legitimierung. Die öffentlichen und privaten Machtstrukturen der mittelalterlichen Gesellschaft waren somit miteinander verflochten. Dieser Artikel argumentiert, dass der Aufbau von Macht teilweise durch öffentliche Rituale erfolgte. Rituale spielten eine Schlüsselrolle in mittelalterlichen Machtverhältnissen, was umso mehr in Gesellschaften mit einem geringen Grad an schriftlicher Verwaltung und schriftlicher Kultur zutraf, wie im frühmittelalterlichen Schweden im 13. und frühen 14. Jahrhundert, in denen Normen und Werte ausgeführt werden mussten und bezeugt, um legitimiert zu werden.

Ritual ist jedoch ein komplexer Begriff. Im Großen und Ganzen gibt es zwei Interpretationen von Ritualen. Das erste sieht Ritual als getrennt von anderen Formen sozialer Interaktion durch die Verwendung von hauptsächlich heiligen Symbolen. Das zweite sieht Ritual als in allen Formen der sozialen Realität enthalten. Diese letztere Interpretation des Rituals ist in der historischen mittelalterlichen Forschung, die ethnologische und anthropologische Theorien verwendet, aktuell und wird in diesem Artikel verwendet. Ich definiere Rituale als bedeutungsvolle Handlungen. Das heißt, Handlungen, bei denen Akteure zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort kollektive, formalisierte, institutionalisierte und sich wiederholende Handlungen ausführen. Ritual ist eine kommunikative Handlung, die bestehende Strukturen transformiert und dazu verwendet werden kann, Machtstrukturen, soziale Strukturen und soziale Beziehungen wie kollektive Ideale zu schaffen und zu legitimieren. Rituale sind daher nicht nur symbolische Darstellungen der Gesellschaft; Sie sind Schauplätze für Machtverhandlungen. So gesehen kodieren Rituale kulturelle Werte. Durch eine Analyse des Rituals ist es daher möglich, die zugrunde liegenden Werte und Normen einer Gesellschaft zu diskutieren.


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