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Spionage im Mittelmeerraum des 16. Jahrhunderts: Geheimdiplomatie, Mittelmeer-Zwischenfälle und die Rivalität zwischen Osmanen und Habsburgern

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Spionage im Mittelmeerraum des 16. Jahrhunderts: Geheimdiplomatie, Mittelmeer-Zwischenfälle und die Rivalität zwischen Osmanen und Habsburgern

Von Emrah Safa Gürkan

Doktorarbeit, Georgetown University, 2012

Abstract: Spione spielten eine entscheidende Rolle in kaiserlichen Rivalitäten der frühen Neuzeit. Während frühere Gelehrte die Kluft zwischen Islam und Christentum im Mittelmeerraum betont haben, haben diese Vermittler, die die Codes beider Kulturen beherrschten, leicht unsichtbare Grenzen zwischen Zivilisationen überschritten und die Osmanen und Habsburger miteinander verbunden, zwei imperiale Mächte am Hals. Diese Informationsbroker für Unternehmer versorgten beide Reiche nicht nur regelmäßig mit Informationen über politische und militärische Entwicklungen, sondern spielten auch eine aktive diplomatische Rolle zwischen zwei Hauptstädten und beteiligten sich sogar an der osmanischen Fraktionspolitik.

Diese Dissertation vergleicht die Geheimdienste beider Imperien und erklärt die Unterschiede zwischen den beiden Systemen der Informationserfassung, die auf den unterschiedlichen Organisationsstrukturen dieser Imperien beruhen. Es wird argumentiert, dass die Habsburger versuchten, ihre Geheimdienste im Einklang mit ihren allgemeinen Bemühungen um Bürokratisierung und Zentralisierung zu institutionalisieren und zu standardisieren, obwohl die Wirkung dieser Bemühungen in der Levante eher begrenzt blieb. Die Osmanen hingegen behielten ihren langjährigen dezentralen Ansatz bei und delegierten die Verantwortung für das Sammeln von Informationen an Paschas und Gerichtsfavoriten, die ihre eigenen Geheimdienstnetzwerke aufbauten. Dies führte zu einer ganz anderen Situation, in der diese Netzwerke eher den Interessen ihrer Herren als denen des Staates dienten und dem Historiker umfassende Informationen über die osmanische Fraktionspolitik gaben. Der osmanische Geheimdienst stützte sich auf mündliche Kommunikation und verfolgte nicht die jüngsten Entwicklungen in der Steganographie und Kryptographie. Er war eher persönlich als institutionell.

Trotzdem erzielte der osmanische Geheimdienst gute Ergebnisse. Trotz dieser Unterschiede, die ansonsten als Mängel hätten angesehen werden können und entgegen den ungerechtfertigten Annahmen, die in der westlichen Geschichtsschreibung vorherrschten, entwickelten die Osmanen erfolgreich einen funktionalen Mechanismus zum Sammeln von Informationen, der an sich kohärent war. Der eigentliche Faktor, der die Effizienz beider Reiche negativ beeinflusste, war das Fehlen einer direkten Diplomatie zwischen zwei Hauptstädten. Während beide Reiche sich über politische Entwicklungen und militärische Vorbereitungen auf dem Laufenden hielten, gelang es ihnen nicht, ein Bewusstsein für die rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Systeme des jeweils anderen sowie für kulturelle, sprachliche und religiöse Besonderheiten zu entwickeln.

Emrah Safa Gürkan ist auch einer der Moderatoren des Osmanischen Geschichts-Podcasts


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